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Die Stille-Nacht-Kapelle – Das Weihnachtslied aus der Region

Datum: 19. Dezember 2016 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Ausflugsziele . Kirchen & Schlösser . Kultur . Region . Weihnachten & Adventszeit . Winter
Die Stille Nacht Kapelle in Oberndorf © Tourismusverband Oberndorf
Dorothea Steinbacher

Wenn man nach einem alten Weihnachtslied fragt, das weltweit bekannt ist, dann wird bald das wunderbare „Stille Nacht, heilige Nacht“ genannt. Doch wer weiß, wo es entstanden ist? Wer weiß, dass es quasi an der Grenze zum Chiemgau geschrieben wurde und von dort aus seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat?

Es war tatsächlich in Oberndorf, bis vor zweihundert Jahren der Vorort von Laufen an der Salzach. Die beiden Städte waren durch eine Brücke verbunden und gehörten seit jeher zusammen – viele Jahrhunderte war das Land salzburgisch, auch ein großer Teil des Landkreises Traunstein: Waging, Palling, Tittmoning – salzburgisch. Nach 1816 wurde die Salzach zum Grenzfluss: Laufen gehörte fortan zu Bayern, Oberndorf zu Österreich.

Die Europabrücke verbindet Oberndorf und Laufen

Heute fließt der Verkehr wieder ungehindert über die Europabrücke, die Fußgänger spazieren von hier nach dort – und ein Lied verbindet die Menschen, vor allem zur Weihnachtszeit.

Jedes Jahr am Heiligen Abend findet in Oberndorf eine ganz besondere Weihnachtsandacht statt mit einem ganz besonderen Lied: Stille Nacht, heilige Nacht. Dieses Lied entstand nämlich genau hier. In der St.-Nikolaus-Kirche in Oberndorf wurde es am 24. Dezember 1818 zum allerersten Mal auf der Welt gesungen.

„Stille Nacht“ wurde in der Kirche in Oberndorf geschrieben

Verfasst hatte es der damalige Hilfspriester der Pfarrei, Joseph Mohr. Er gab das Gedicht mit sechs Strophen seinerzeit an den Organisten und Schullehrer Franz Xaver Gruber mit der Bitte, eine einfache Melodie dafür zu komponieren, für zwei Stimmen und Gitarre. Die altersschwache Orgel der St.-Nikolaus-Kirche versagte nämlich ihren Dienst. Und so sang der junge Hilfspriester in der Christmette die Oberstimme des neuen Weihnachtsliedes und begleitete sich selbst auf der Gitarre dazu. Gruber übernahm die Bassstimme.

Das Lied aus der Chiemgau-Region geht um die Welt

Die Oberndorfer Kirchgänger scheinen von dem Lied damals ähnlich ergriffen gewesen zu sein wie wir es heute noch sind. Sie trugen ihre frohe Botschaft von der Stillen Nacht in alle Welt: Zunächst war es der Überlieferung nach ein Orgelbauer namens Mauracher, der das Lied im Zillertal verbreitete. Eine Zillertaler Sängergruppe, die Rainer Sänger, führte das Lied anlässlich eines Besuches von Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. im Schloß Fügen auf. Dieselben Sänger trugen das Lied in die Vereinigten Staaten: Sie sangen es 1839 vor der zerstörten Trinity Church in New York. Damit war der Zug des Liedes um die Welt nicht mehr aufzuhalten. Missionare verbreiteten es weiter, und um die Wende zum 20. Jahrhundert sang man es bereits auf allen Kontinenten. Übersetzungen in 330 Sprachen und Dialekte sind bis heute bekannt.

Die Stille-Nacht-Kapelle steht nun statt der Nikolauskirche in Oberndorf

Die ehemalige Kirche St. Nikolaus in Oberndorf

Die ehemalige Kirche St. Nikolaus in Oberndorf

Die Zeitläufte nicht überstanden hat der Entstehungsort des Liedes: Die Nikolauskirche wurde in den 1890er Jahren von Hochwassern der Salzach so stark beschädigt – wie übrigens der gesamte Ort Oberndorf – dass man beschloss, Dorf und Kirche an einer geschützteren Stelle neu zu errichten. Den Oberndorfer Bürgern ist es zu verdanken, dass eine Kapelle auf dem Schuttkegel ihrer alten Pfarrkirche errichtet und 1937 geweiht wurde – als Denkmal für die Friedensbotschaft des Stille-Nacht-Liedes von Joseph Mohr.

Die Kapelle ist inzwischen das ganze Jahr über jeden Tag geöffnet und Besucher aus aller Welt stehen staunend an dem Ort, an dem das Lied entstanden ist, das für uns alle zum Inbegriff des Weihnachtsliedes geworden ist.

Die Stille Nacht Kapelle an Heiligabend

Die Stille-Nacht-Kapelle an Heiligabend © Tourismusverband Oberndorf

An Heiligabend zieht die Stille-Nacht-Kapelle hunderte Besucher aus verschiedenen Nationen an

Den Höhepunkt des Jahres bildet die Weihnachtsandacht, die an jedem Heiligen Abend um 17 Uhr an der Kapelle stattfindet. Schon vorher bereiten Bläser- und Sängergruppen auf das Ereignis vor. Die Weihnachtsschützen schießen mit ihren Handböllern „das Christkindl an“, wie man hier sagt und alle Glocken der Kirchen hüben und drüben – in Laufen auf der bayerischen und in Oberndorf auf der österreichischen Seite – läuten. Das Schifferschützenkorps in den alten Trachten und die Goldhaubenfrauen begleiten die Andacht. Und am Schluss der Andacht ist es so weit: „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird an seinem Entstehungsort mit allen seinen Strophen gesungen. Und Hunderte von Besuchern aus aller Welt singen es mit, in ihrer Sprache. So gelingt dem Lied in der Heiligen Nacht, was die Politik bis heute nicht geschafft hat: Es verbindet die Völker aller Sprachen der Welt im friedlichen Miteinander.

Andrea Wittmann an der Mozartorgel
Tipp

Im Chiemgau gibt es weitere musikalische Entdeckungen zu machen – wie zum Beispiel die Orgel von Wolfgang Amadeus Mozart im Kloster Seeon. Lesen Sie alles darüber in unserer G’schichte!


Datum: 19. Dezember 2016 . Autor: Dorothea Steinbacher . Kategorie: Ausflugsziele . Kirchen & Schlösser . Kultur . Region . Weihnachten & Adventszeit . Winter
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1 Kommentar
  1. klebefolie sagt:

    Vielen dank für die Infos.

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