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Hinter den Kulissen beim Biathlon in Ruhpolding

Datum: 12. Januar 2016 . Autor: Petra Plützer . Kategorie: Gastbeitrag . Langlaufen . Orte . Region . Ruhpolding . Winter . Winterevents
Herbert Fritzenweger Senior, Claudia Funk und Erika Fritzenweger im Chiemgau
Petra Plützer

Jetzt heißt es noch einmal durchstarten für das kommende Wochenende. Zwei Biathlon-Weltcups in der Chiemgau Arena in Ruhpolding: Da gehen nach dem letzten Zieleinlauf die Vorbereitungen auch für die Zuschauerverpflegung gleich nahtlos weiter. Bis zu 20.000 Besucher pro Tag werden dann erwartet. In Hütte 27 gab der Würstchenwärmer seinen Geist auf. Hütte 5 würde gerne auch noch Suppe verkaufen. Die apfelgrünen Servietten sind ausgegangen. Und wieviel vom hausgemachten Kuchen lagert eigentlich noch in der Kühltruhe?
Seit rund 40 Jahren organisiert der Ski Club Ruhpolding in eigener Regie ehrenamtlich die gesamte Verpflegung der Zuschauer in der Chiemgau Arena. Da kam der zusätzliche Weltcup, der am Standort Oberhof abgesagt werden musste, wie gerufen: „Eine tolle Chance für unseren Verein“, strahlt Claudia Funk, geborene Fritzenwenger, mit Vater Herbert zuständig für die Finanzen. 125 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die Hälfte der üblichen Crew, stand spontan zur Verfügung, um einen Teil des Hüttendorfes zu eröffnen. Man kalkulierte mit einem guten Drittel der ansonsten benötigten Mengen. Sofort nach Bekanntgabe der Entscheidung im Dezember mussten die Bestellungen für diesen Gast-Weltcup zusätzlich zum „normalen“ getätigt werden – da war von Schnee noch keine Spur. „Diese Arbeit hier is nix für Schisser“, schmunzelt Claudia Funk. Denn das gesamte finanzielle Risiko für den Verpflegungsbereich liegt beim Ski Club. „Des werd´ scho“, davon war das routinierte Team rund um die Fritzenwengers überzeugt. Und sie behielten recht: Der Oberhof-Weltcup in der Ruhpoldinger Chiemgau Arena ging nicht nur für die deutschen Sportlerinnen und Sportler sehr erfolgreich über die Bühne.

Verpflegung beim Biathlon – bereits vier Jahrzehnte in Familienhand

Warteschlangen vor den Verpflegungshütten im Chiemgau

Warteschlangen vor den Verpflegungshütten

Seit September ist die Familie Fritzenwenger bald rund um die Uhr mit den Verpflegungs-Vorbereitungen für den Weltcup beschäftigt. Tochter Claudia wuchs damit auf. Denn vor rund vier Jahrzehnten begann Mutter Erika, heute fitte 76 Jahre alt, aus Hütte 1 heraus Brotzeiten sowie Kaffee und Kuchen zu verkaufen. Schnell baute sie sich ein kleines Team auf. Der Gewinn ging direkt in die Jugendarbeit. Die Hütte gibt es heute noch, doch im Jahr 2016 leitet das Ehepaar Fritzenwenger mit Tochter Claudia und der maßgeblichen Unterstützung von Veronika Böker rund 250 ehrenamtliche Helfer aus der ganzen Region an, die die Besucher beim heimischen Biathlon-Weltcup versorgen.

Längst ist die Logistik komplex und perfektioniert worden, auch die gesetzlichen Auflagen werden immer mehr, doch die Fritzenwengers kennen nicht nur alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Vornamen und persönlichen Vorlieben, sondern auch die Ausstattung jeder einzelnen Hütte, vom Brotmesser bis zum Glühweinbereiter. „Jedes Jahr kam eine Hütte dazu, den größten Sprung machten wir 2012 mit der Ausrichtung der Weltmeisterschaft“, erzählt Erika Fritzenwenger. Die Holzhütten bekamen Kraftstrom, ein kleines Fundament und Wärmeisolierung. „Wir versorgen die Zuschauer nicht nur im Stadionbereich sondern auch auf der gesamten Streckenlänge, betont Herbert Fritzenwenger senior, der ehrenamtliche Geschäftsführer des Ski Clubs. Längst sind diese Einnahmen die entscheidende Grundlage der Nachwuchsförderung. „Wir geben dafür rund 120.000 Euro im Jahr aus, auch die Vereine der Region profitieren davon. Mit unseren Mitgliedseinnahmen von rund 25.000 Euro wäre das nicht zu machen“, erläutert er. So konnte man u.a. einen eigenen Schülerschießstand für die Luftgewehre bauen und auch Busse stehen zur Verfügung, um zum Training und zu den Wettkämpfen zu fahren.

Die Motivation der ehrenamtlichen Helfer ist groß

Für reichlich Verpflegung ist gesorgt im Chiemgau

Für reichlich Verpflegung ist gesorgt

Herbert und Monika Güntner aus Olching haben Feuer gefangen. Nach ihrem ersten Einsatz im Hütten-Verkauf beim eingemeindeten Oberhof-Weltcup sind sie auch am kommenden Wochenende wieder mit dabei. Ihr Sohn Ludwig absolvierte derweil seinem eigenen Biathlon-Wettkampf, den Deutschlandpokal der Jugend, der wegen Schneemangel ins Martell-Tal nach Italien gelegt worden war. „Der Ski Club unterstützt uns bei diesen Wettkampfkosten enorm – das könnten wir als Eltern ja gar nicht alles leisten“, sagt Herbert Güntner. Sohn Ludwig wechselte wegen seines Biathlon-Traumes ans Internat nach Traunstein. Jetzt dreht sich in der Familie alles um den Biathlon-Sport. Fans waren sie schon immer – bisher kannten sie die Chiemgau Arena als Besucher der Weltcups. Jetzt sind sie begeistert von der unglaublichen Logistik, die sich hinter dem Speiseangebot für die Zuschauer verbirgt. „Es ist einfach an alles gedacht, was wir hier brauchen. Und eigene Versorgungsteams kümmern sich dann um unseren Nachschub, wenn der Verkauf läuft“, berichtet seine Frau Monika. Denn wenn zwischen zwei Wettkämpfen die Warteschlange am Kiosk lang wird, dann muss nicht nur der neue Glühwein gleich anschlussbereit stehen. Draußen stapeln sich die Bierkisten. „Wenn der Laden richtig brummt, macht es am meisten Spaß“, lacht die engagierte Mutter.

Vom Chilli con Carne über die Leberkassemmel bis zur Karotten-Ingwer Suppe

Veronika Böker bei der Einsatzbesprechung mit den Köchen im Chiemgau

Die Köche Ina Thaurer und Richard Setzer bei der Einsatzbesprechung mit Veronika Böker

„Es ist diese tolle Atmosphäre, dieses unkomplizierte Miteinander, das sich hier auf die gesamte Arbeit überträgt“, sagt Veronika Böker, die bis vor zwei Jahren das Landhotel Maiergschwendt leitete. Seit letztem Jahr ist sie dabei, ehrenamtlich in die Fußstapfen von Erika Fritzenwenger zu treten. Und auch für diesen Weltcup wurde das Speisenangebot wieder um- und ausgearbeitet. „Wir bieten traditionelles, trendiges und vegetarisches“, erläutert sie: Vom Chilli con Carne über die Leberkassemmel bis zur Karotten-Ingwer Suppe. Alles hausgemacht und frisch vor Ort gekocht und gebraten. Ein einmaliges Angebot – „das gibt es an keinem anderen Wettkampfstandort“, unterstreicht Claudia Funk. Und die Gäste wissen es zu schätzen. Viele geben zusätzliches Trinkgeld für den guten Zweck und aus Begeisterung über so viel ehrenamtliches Engagement. Doch nicht nur betroffene Eltern finden sich unter den vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Manche nehmen lange Anreisen in Kauf – als Dank gibt es das schicke Helfer-Outfit im Ruhpoldinger Biathlonblau, eine Generaleintrittskarte für Freunde oder Familie und eine tolle Helferfeier am letzten Abend im Ruhpoldinger Kurhaus. Dabei sein ist eben alles: Die Vorfreude auf den 33. Biathlon-Weltcup in der Ruhpoldinger Chiemgau Arena ist groß.

Biathlon Ruhpolding Anton Plenk im Chiemgau
Tipp

Wussten Sie, dass erst 1970 in Ruhpolding zum ersten Mal Wettkämpfe ausgetragen worden sind? Anton Plenk erzählt in seiner G’schichte über die Anfänge des Biathlon.


Datum: 12. Januar 2016 . Autor: Petra Plützer . Kategorie: Gastbeitrag . Langlaufen . Orte . Region . Ruhpolding . Winter . Winterevents
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