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Schlittenhunderennen: Der Musher von Inzell

Anja Eder

Zum Chiemgauer Winter gehören auch die Schlittenhunderennen in Inzell. Viel habe ich schon über die wahnsinnige Ausdauer der sportlichen Hunde gehört. Die bezieht sich allerdings nicht nur aufs Laufen.

Ein einzelner Husky weint und heult den ganzen Tag

Ein einzelner Husky weint und heult den ganzen Tag

 

„Wenn keiner Angst vor Hunden hat, dann mache ich jetzt die Tür auf“, sagt Wolfgang Fehringer und öffnet die Küchentür. Schon sind sechs Huskys im Wohnzimmer und begrüßen mich freundlich. „Eigentlich gehören die Hunde nicht ins Haus“, sagt Herr Fehringer. Doch seine Frau Christa hat sich durchgesetzt. Yukon und Damon, Flash und Geronimo, Hally Berry und Zoey – alle sechs wollen gestreichelt werden, denn sie sind richtige Schmusehunde.

Auf den Husky, genauer auf den Sibirien Husky, sind Wolfgang und Christa Fehringer eher zufällig kommen. Als Hundeanfänger waren sie auf der Suche nach einem sportlichen Hund, den man auf Berg- und Radtouren mitnehmen kann. Der Husky erschien ihnen da als ideal. Als sie den ersten hatten, entdeckten sie aber schnell seine, bislang nicht bedachten, negativen Eigenschaften: Starker Jagdtrieb, Dickkopf (schwer erziehbar). Außerdem weinte der Hund ununterbrochen, wenn Frauchen und Herrchen nicht Zuhause waren. Die Lösung: Ein zweiter Hund musste her. Von da an war es ruhig. Die Hunde fühlten sich wohl und aus den zwei wurde schnell ein sechsköpfiges Rudel.

Ein wacher, intelligenter Blick

Ein wacher, intelligenter Blick

Mit den ersten Huskys begannen die Fehringers auch schon mit dem Hundeschlittensport. Trainiert wird ab Herbst. Im Sommer, da haben es die Hunde gerne ruhig, wollen nur eine kleine Runde gehen und liegen ansonsten viel rum. Aber wenn es das erste Mal kühler wird, werden sie aktiv. Dann muss Wolfgang Fehringer mit dem Training beginnen. Denn wenn er seine Hunde jetzt nicht fordert, dann suchen sie sich Beschäftigung, z. B. indem sie Löchern buddeln.

 

Bis der erste Schnee kommt werden die Hunde vor einen Wagen mit vier Rädern gespannt. Mit kleinen Runden von drei, vier Kilometern, zwei bis drei Mal die Woche geht es los, dann steigern sich die Trainingseinheiten langsam, damit Fahrer und Hunde bis zum Saisonstart fit für die Rennen sind. Das Training zahlt sich aus: Unter den  eingefahrenen Titeln befinden sich die eines Deutschen und Bayerischen Meisters. Viel unterwegs waren sie für die Rennen schon, gemeinsam. Denn Wolfgang Fehringer, der die Rennen fährt, wird immer von seiner Frau Christa begleitet und unterstützt.

Erleben auch Sie die wunderschönen Huskys „fell“nah in unserem Video:

Die Idee für ein Rennen daheim in Inzell kam von Gerhard Steinbacher, dem Leiter der Tourist-Info. Vor neun Jahren wurde das erste Mal gestartet, damals im noch nicht überdachten Eisstadion. Mittlerweile findet die Veranstaltung beim Camping Lindlbauer statt. Neben Deutschen haben sich in diesem Jahr Österreicher, Franzosen, Italiener, Tschechen und Polen angemeldet. Über 140 Teams sind es wieder, die mit mehr als 1.000 Hunden nach Inzell kommen. Für sie geht es unter anderem um die internationale Bayerische Meisterschaft in Sprint sowie ein Mitteldistanz-Rennen. Die Strecken: zwischen sechs und 25 km lang.

Die Fehringers und ihr Rudel

Die Fehringers und ihr Rudel

Laufen werden die Hunde, wie meistens, auf gewalzten Skating-Loipen. Und wer wird gewinnen? Ein homogenes Team zu haben sei besonders wichtig, so Wolfgang Fehringer, die Hunde müssen den gleichen Schritt und die gleiche Ausdauer haben. Bei seinen Hunden sind zwei sehr schnelle dabei, aber „die Damen laufen halt mit“, so Fehringer weiter. Er müsse aber eh nicht mehr unbedingt gewinnen: „Heute stelle ich mich auf den Schlitten und genieße auch mal die Landschaft“.

Der Husky ist als Arbeitshund gezüchtet, beim Spazieren gehen kann man ihn nicht auspowern. Wenn es vor den Schlitten geht, freuen sich die Hunde. Trotzdem ist das Laufen für sie natürlich anstrengend, gerade bei Rennen. Im Ziel angekommen sind sie k. o. – aber glücklich. Denn, so Wolfgang Fehringer, „arm ist der Husky nur, wenn er nicht laufen kann“.

...und nach der Arbeit zum Fernsehen auf die Couch - Huskey Freuden

…und nach der Arbeit zum Fernsehen auf die Couch

… aber wenn es Abend wird, da ist der Husky nicht mehr der ausdauernde Arbeitshund, sondern genauso wie die meisten seiner Artgenossen: da will er am liebsten zu Herrchen und Frauchen auf die Couch. Und weil bei Fehringers gleich sechs Hunde am Fernsehabend teilhaben wollen, gilt es schon rechtzeitig sich den besten Platz zu sichern.

 

 

Schlittenhunderennen im Chiemgau
Tipp

Auch 2017 wird das Internationale Schlittenhunderennen wieder in Inzell stattfinden, zu dem auch ein buntes Rahmenprogramm gehört.

 


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