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Zauberhafte Winterwanderung am Achendamm

Winterwanderung am Achendamm
Klaus Bovers

Bei unserem Nachbarn Tirol lockt zu dieser Jahreszeit gleich hinter der Grenze das bekannte Kössener Skigebiet, und am linken Achenufer zwischen Raiten und Schleching werden gerade die Loipen frisch gespurt. Wer das alles schon kennt und es zur Abwechslung mal beschaulicher haben möchte, dem empfehle ich einen winterlichen Rundweg vom Wuhrbichl bei Marquartstein, vorbei an vielen verschneiten Anhöhen, durch kleine Möser und Auwälder zum Damm der Tiroler Ache und dann hinüber ans Unterwössener Ufer.

Mit einem Schlitten und Thermosgetränk wandert es sich leichter

Mit einem Schlitten und Thermosgetränk wandert es sich leichter

Auf dieser rund zweistündigen Winterwanderung sehen wir deutlich, wie der Achengletscher vor 10.000 Jahren unsere Landschaft geformt hat, wodurch sich das Herz des Chiemgaus gebildet hat: der Chiemsee, das Bayerische Meer. Noch vor dem Gletschertor zwischen Hochplatte und Hochgern hat er dabei eine Reihe von charakteristischen Strukturen hinterlassen. Wir werden heute einige Hügel umrunden, was natürlich auch ein schöner Weg für die warme Jahreszeit wäre, doch zum Gletscherthema passt halt doch eher eine Winterwanderung. Größtenteils geht es bequem über breitere Fahrwege und wer mag, der nimmt für die Rast in der Sonne auf einem Schlitten Thermoskannen und eine Decke mit.

Voraussetzung für eine Winterwanderung: Geeignete Kleidung

Das ist quasi Wintersport ohne Ausrüstung, von warmer Kleidung und ebensolchen Stiefeln einmal abgesehen. Wir parken nahe der Marquartsteiner Achenbrücke, rechts vor dem Abzweig nach Schleching bietet sich am Wald dazu eine Möglichkeit. Genau hier beginnt auch die einzige nennenswerte Steigung, dreißig Meter hinauf auf den Wuhrbichl, wo wir nach einer Schafweide die Höhe erreichen und an der Wegkreuzung links in einen schmalen Pfad abbiegen. Der geht etwa vierhundert Meter am Hang entlang wieder abwärts, mit schönem Blick nach Süden Richtung Geigelstein.

Moränenhügel im Umfeld

Wenn ab Februar die Sonne wieder wärmer wird, sind hier die ersten Leberblümchen und Himmelschlüssel zu finden. Der lichte Buchenhang des Bichl macht es möglich, hier trifft die Sonne im richtigen Winkel auf den Waldboden und lässt alles sprießen, was im Frühling wieder ans Licht möchte. Der Begriff „Bichl“ kommt übrigens vom altbairischen Wort Bühel (z.B. Kitzbühel), was nichts anderes als Hügel bedeutet. Gleich nördlich vom Wuhrbichl liegt der etwas größere Aggbichl und zusammen mit dem Jägerberg und dem Bichl bei Grassau haben sich diese Moränenhügel in der langsameren „Innenkurve“ des Gletscherstroms bilden können.

Der Hang des Wuhrbichl ist noch tief verschneit, was das Gehen anstrengend macht, bis wir in Oed den Fahrweg im Tal erreicht haben. Der führt uns über Holzen direkt nach Westen durch das Lanzinger Moos nach Mooshäusl und Süssen, wo wir nach links Richtung Donau abbiegen. Nein, wir haben uns nicht verlaufen, Donau heißt der kleine Weiler an der B 307, auf der wir jetzt  zweihundert Meter Richtung Marquartstein gehen und dann am Waldrand rechts in den Wanderweg zum Achendamm abbiegen. Wir überqueren die kleine Brücke über einen namenlosen Bach und haben jetzt den Dammweg flussaufwärts vor uns, bald mit offenem Blick nach Süden zum Geigelstein.

Die Winterwanderung führt am Dorf Raiten vorbei

Ein Blick auf das Dorf Raiten

Ein Blick auf das Dorf Raiten

Am Fuß der Hochplatte ist rechts das verträumte Dorf Raiten mit seiner bekannten Wallfahrtskirche zu sehen. Mit ihrem schlanken Spitzturm ist sie alljährlich an Mariä Himmelfahrt das Ziel vieler hundert Chiemgauer und Tiroler Trachtler, die „Unserer Lieben Frau zu den sieben Linden“ mit einem imposanten Trachtenzug ihre Aufwartung machen. Einen knapper Kilometer wäre der Weg zur Kirche lang, von deren Friedhofsmauer man einen wunderschönen Blick ins Achental und auf die hoch oben gelegene Schnappenkirche hat.

Wer sich den Besuch in Raiten lieber für den Sommer aufheben möchte, kann sich nach der Straßenbrücke über die Tiroler Ache für den Dammweg entscheiden, der flussabwärts durch den verschneiten Auwald führt.

Der verschneite Auwald wirkt zauberhaft

Der verschneite Auwald wirkt zauberhaft

Wenn es doch noch eine Kirche sein soll, dann kann man entlang der wenig befahrenen Raitner Straße bis zur Unterwössener Pfarrkirche St. Martin gehen. Sie ist das seltene Beispiel für eine barocke Außenfassade bei gleichzeitig neuzeitlicher Innenausstattung aus den 60er Jahren. Die Winterwanderung führt uns entlang des Wössener Bachs dann nach zehn Minuten wieder zurück ans Achenufer.

Auf den letzten Metern der Winterwanderung wird die Ache breiter

Von der Brücke können wir noch einen letzten Blick flussabwärts auf die Ache werfen, die nach einer letzten scharfen Linkskurve mit einem breiten Wehr aufgestaut wird. Bis hierher hatte der Fluss trotz Eindammung noch den Charakter eines Wildflusses, auf den restlichen Kilometern bis zum Mündungsdelta in den Chiemsee ist davon nicht mehr viel zu sehen. Die letzten fünfhundert Meter gehen wir mit Blick auf den breiter gewordenen Fluss auf einem Fuß- und Radweg, bis wir die Ache auf der Straßenbrücke überqueren und wieder zu unserem Parkplatz gelangen. Das optimale Wetter und der frisch gefallene Schnee haben dazu beigetragen, dass diese Wanderung im Chiemgauer Winter eine traumhafte war.

Tipp

Wer als Wanderer die „wilde“ Ache erleben möchte, dem sei die Tages-Rundtour ab Unterwössen über Achberg, Schleching und am Buchberg zurück empfohlen. Fünfzehn Kilometer, die auch als Winter-Wanderung ihren Reiz haben.


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