Matthias Ziereis auf dem Gelände des Keltengehöfts Stöffling

© Chiemgau Tourismus e.V.

Matthias Ziereis und ein kleiner Besucher als Römer verkleidet

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Gesichter der Gastfreundschaft: Matthias Ziereis

„Auf den Busch klopfen, damit sich was rührt“

 

200 Stunden hatte es gedauert, bis Matthias Ziereis in einem Winter vor 15 Jahren 50.000 kleine Edelstahlringe aufgebogen, miteinander verbunden und wieder zugemacht hatte. Dann war sein römisches Kettenhemd fertig. Er trägt das zwölf Kilo schwere Stück seither bei jeder Führung im Seebrucker Römermuseum Bedaium und im Keltengehöft in Stöffling. Dazu neben typischen Römersandalen auch Tunika und Hose aus Wolle, sowie ein Halstuch. Das kann im Sommer richtig heiß werden, aber das stört Ziereis nicht. Sein Ziel ist es, die Gäste für Geschichte zu begeistern und ihnen die Scheu vor Museen nehmen.

Dass sein Konzept aufgeht, belegen die aktuellen Zahlen: Bis Ende Juli haben schon 1000 Kinder, viele davon aus der näheren Umgebung, das Museum besucht – das ist ein neuer Rekord. Ohne großen persönlichen Einsatz von ihm ebenso wie von der Vorstandschaft des Museums „funktioniert das aber nicht“, sagt Ziereis: „Man muss ständig auf den Busch klopfen, damit sich was rührt.“ Die jährlichen Sonderausstellungen etwa sorgen dafür, dass das Interesse am Bedaium nicht einschläft.

Bogenschießen beim Abenteuernachmittag im Keltengehöft Stöffling

© Chiemgau Tourismus e.V.

Bogenschießen beim Abenteuernachmittag im Keltengehöft Stöffling

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Matthias Ziereis zeigt, wie man ein Kettenhemnd herstellt

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Herstellung eines Kettenhemdes beim Keltenabenteuernachmittag

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Gastfreundschaft bedeutet Hingabe

Kettenhemden flechten, Rüstungen entrosten, Schreibwerkzeug und Bienenwachstafeln herstellen oder Programme für das Keltengehöft entwickeln – das ist die Freizeitbeschäftigung des Touristikers, dessen beruflicher Werdegang in der Seebrucker Tourist Info begann. Heute ist er deren stellvertretender Leiter; nächstes Jahr feiert er seine 30-jährige Zugehörigkeit. Die Freude am Gästekontakt ist ihm bei der Zimmervermittlung und als Hafenverwalter nach so langer Zeit nicht abhandengekommen. Ein Anliegen ist es ihm, an der durchgängigen Gastfreundschaftskette zu arbeiten. „Die Tourist Info betreibt Werbung, damit Gäste aus nah und fern nach Seebruck kommen. Wenn die Gäste aber auch nur ein einziges negatives Erlebnis in der Gastfreundschaftskette haben – etwa im Gasthof, beim Einkaufen, beim Ausleihen von Boot oder Rad, bei Ankunft oder Abreise – dann kann das großen Schaden anrichten.“ Als Museumsführer ist er selbst Teil dieser Kette und trägt dazu bei, speziell bei den jungen Gästen in guter Erinnerung zu bleiben.

Die Führungen sollen in Erinnerung bleiben

„Ich möchte die Führungen so gestalten, wie ich es mir als Kind gewünscht hätte“, sagt der 45-Jährige. Ein bisschen „Show“ – das Auftreten mit einer authentischen römischen Rüstung – gehört dazu. Und weil es einen besseren Eindruck vom Leben im alten Rom vermittelt, wenn man das Gewicht des Kettenhemds am eigenen Körper spürt, dürfen große und kleine Besucher die Hemden auch anprobieren. Außerdem dürfen sie auf Wachstafeln mit Stiften schreiben, genauso, wie es die Römer schon getan haben. Was man anfassen darf, bleibt in Erinnerung, sagt Ziereis, und baut deshalb alles, was die Kinder interessiert, kurzerhand nach. Die Original-Fundstücke von Pfeilspitzen über Gewandspangen bis Bronzestifte bleiben hinter Glas.

Matthias Ziereis bei der Führung im Keltengehöft Stöffling

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Geschichte zum Anfassen

Seine Leidenschaft für Geschichte entbrannte 1994 bei der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Seeon. Weil er beim historischen Festzug mitgehen wollte, beschäftigte er sich intensiv mit der ottonischen Zeit. Am großen Tag trug er historisch korrekte Leinenhosen, Wadenwickel und ein Schwert. Mit seiner Begeisterung für die römisch-keltische Vergangenheit des Chiemgaus hat er längst seine Familie angesteckt. Seine Frau veranstaltet keltische Baumführungen und unterstützt ihn bei den Aktivitäten in Stöffling. Dorthin begleiten ihn auch seine Kinder häufig – natürlich perfekt ausstaffiert mit Kettenhemden aus der Werkstatt des Vaters.

Winterlicher Bootsanlegesteg in Seebruck
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