Unterwössen

Interview mit
Bartholomäus Irlinger

"So, was ham´s denn heute vor?"


Barthl Irlinger ist ein alter Hase und im ganzen Chiemgau bekannt. Der 70-Jährige aus Oberwössen engagiert sich seit Jahrzehnten für den Tourismus. Er war seit 1973 bis 2000 selbst Vermieter und ist Mitgründer des Vereins „Private Gastgeber im Chiemgau“. Neulingen im Gewerbe steht er als „Pate“ mit Rat und Tat zur Seite. Im Interview mit Chiemgau Tourismus gibt er Tipps für alte und neue Vermieter.

Herr Irlinger, welche Frage hören Sie denn am häufigsten von ihren „Patenkindern“?

Irlinger: „Wie kann ich mehr Gäste gewinnen?“ Das werde ich aber auch von Vermieterkollegen gefragt, die nicht meine „Patenkinder“ sind. Sie hören sich meine Ratschläge an, und es kommt gar nicht so selten vor, dass sie sich nach einem Jahr melden und sagen: „Du, wir hätten’s nicht gedacht, aber es läuft gut“.

Welche Ratschläge sind denn das?

Irlinger: Das fängt an mit der Homepage und der Buchbarkeit an. Um heute von potenziellen Gästen gefunden zu werden, müssen Zimmer und Ferienwohnungen online buchbar sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist W-Lan. Früher haben die Gäste nach dem Fernseher gefragt. Heute ist es das Internet. Wichtig ist, dass es kostenlos sein sollte. Alles andere ist rückständig.

Gibt es auch andere Grundanforderungen?

Irlinger: Eine zeitgemäße Ferienwohnung sollte heute mindestens 50 Quadratmeter haben, darunter ist es nicht wirtschaftlich. Selbst Paare wollen heute zwei Schlafzimmer haben! Natürlich gibt es da aktuelle Checklisten, die man abarbeiten kann, was die Zimmerausstattung angeht.

Was raten Sie neuen Vermietern in Sachen Werbung?

Irlinger: Man sollte die neuen Medien in Anspruch nehmen und sich bei Anzeigen sehr genau überlegen, wo es sich lohnt. Wenn ich ein hochwertiges, hochpreisiges Angebot habe, hat es keinen Sinn, in Klatschblättern Anzeigen zu schalten. Umgekehrt ist es genauso. Ich muss mein eigenes Angebot genau kennen und der Konkurrenz gegenüber richtig einschätzen können. Das ist auch der Grund, warum Vermieterverbände so wichtig sind. Über den Austausch mit Kollegen lernt man auch vergleichbare Angebote kennen.

Welche Tipps geben Sie denn, was den Umgang mit dem Gast angeht?

Irlinger: Wenn der Gast gerade ankommt, sollte man ihn nicht überrumpeln. Er hat vielleicht eine stressige Autofahrt hinter sich. Dann erstmal aufs Zimmer begleiten und nicht gleich loslegen mit „heute machen Sie das und morgen das“. Bei der nächsten Begegnung kommt die Frage „So, was ham’s denn heute vor?“ Je nachdem, wie er reagiert, findet man leicht heraus, was er braucht. Ob er in Ruhe gelassen werden will oder ob er das Gespräch sucht. Wenn er nach Restaurants fragt, immer mehrere Alternativen anbieten, damit er nicht denkt, man würde mit einem Lokal unter einer Decke stecken. Grundsätzlich muss man sein Gespür walten lassen und sich auf den Gast einstellen. Das ist das wichtigste. Kleine Aufmerksamkeiten sind auch wichtig, darüber freuen sich die Gäste. Bei allem Bemühen dürfen die Wirtschaftlichkeit und der wirtschaftliche Erfolg des Gastgebers aber nicht aus dem Blickfeld geraten.