Blumenwiese im Chiemgau

© Chiemgau Tourismus e.V.

Interview mit
Mario Kljajic

"Die Wichtigkeit guter Daten wird extrem unterschätzt"


Mario Kljajic ist Projektleiter beim regionalen Buchungssystem IRS18. Er ist ein Experte, was die unterschiedlichen Buchungskanäle betrifft. Im Interview beantwortet er auch die Frage, was die größten Fehler von Online-Auftritten sind.  

Herr Kljajic, welche Vermarktungsplattformen sollte jeder Vermieter kennen und bespielen – abgesehen von IRS18?

Kljajic: Mit IRS18 deckt der Vermieter schon die wichtigsten Plattformen ab, wie z.B. Booking.com, HRS.holidays, BestFewo.de, (bald auch) Fewo-direkt.de usw. Zumindest sind das auch die, die bei den wichtigsten Suchbegriffen auf der ersten Google-Trefferseite erscheinen. Neben den IRS18-Kanälen ist Airbnb aktuell die wichtigste Plattform. Traumferienwohnungen.de ist auch ein Portal, was gut performt. Es ist allerdings ein Festpreisportal – das heißt, der Gastgeber bezahlt erstmal einen fixen Betrag, unabhängig ob bzw. wie viele Buchungen er erhält. Es kommt aber auch immer ein wenig auf den Gastgeber an. Was bei einem gut funktioniert, muss bei einem anderen nicht zwangsläufig auch gut gehen.

Was halten Sie von AirBNB?

Kljajic: Die starten momentan richtig durch. Als Vermieter würde ich hier auch auf alle Fälle inserieren. Als Gastgeber muss man wissen, dass man über Airbnb teilweise auch eine spezielle Zielgruppe anspricht. Die Idee hinter Airbnb ist (war), auch nur Teile der Unterkunft zu vermieten, etwa das leerstehende Kinderzimmer oder einfach nur die Couch im Wohnzimmer. Wie bei allen Portalen muss man einfach die „Spielregeln“ kennen und dann spricht absolut nichts dagegen. Mit Airbnb erreicht der Gastgeber einfach nochmal eine höhere Reichweite und Sichtbarkeit im Internet. Und ganz wichtig: Airbnb hat nichts mit Schwarzvermietung zu tun. Es ist einfach ein weiteres Buchungsportal für Gastgeber. Randnotiz: Die online buchbaren Gastgeber erhalten laut Aussage von Airbnb über 50% mehr Buchungen als die auf Anfrage buchbaren.

Welche Tipps haben Sie für Vermieter, speziell, wenn sie neu anfangen?

Kljajic: Das allerwichtigste ist erstmal, dass das Produkt passt. Die Unterkunft muss also zeitgemäß sein und beispielsweise über WLan verfügen. Das ist ein absolutes K.O.-Kriterium, außer ich bin ein „strahlungsfreies“ Haus und werbe damit. Wenn das gegeben ist, sind die Daten das wichtigste. Aktuelle und hochauflösende Bilder, eventuell auch Videos oder Rundgänge, vollständige Informationen – der Gast kann den Urlaub nicht "probefahren", er muss sich auf die Informationen also verlassen können. Deshalb müssen diese vollständig und in guter Qualität sein. Schritt drei ist dann die Online-Buchbarkeit. Wer über IRS18 online buchbar ist, erzielt schon mal eine sehr gute Sichtbarkeit im Internet. Dadurch sind die Chancen höher, gefunden und gebucht zu werden – egal ob per Telefon oder direkt über das Internet. Damit hat man die Grundvoraussetzungen erfüllt und wird sicher erfolgreich vermieten.

Wo kann man sich Hilfe holen, wenn man mit den digitalen Grundlagen nicht zurechtkommt?

Kljajic: IRS18 sieht sich als „Kompetenzzentrum für den touristischen Online-Vertrieb“. Die Gastgeber der Region können sich diesbezüglich jederzeit an uns wenden. Da geht es um Sachen wie eine Schnittstellenverknüpfung oder auch um Fragen rund um den Preis oder die Konditionen. Oft wird dann über weitere Themen gesprochen, die ebenfalls wichtig sind, wie etwa „Wie gehe ich mit Bewertungen um?“, „Brauche ich einen Facebook Kanal?“ usw.

Wo werden die meisten Fehler gemacht?

MK: Klassische Fehler a là „Doppelbuchungen“ kommen kaum vor. Diese können mal passieren und das sei jedem mal verziehen. Die Fehler – wenn man es überhaupt Fehler nennen kann – die die Gastgeber machen, liegen eher darin, die Buchungsportale nicht richtig zu bedienen. Es geht um Dinge wie etwa die Stornofristen, Anzahlungen, Steuerung der Auslastung anhand der Mindestaufenthaltsdauer, Preispolitik, kluge Pflege des Kalenders… Wir versuchen bei unseren TManager-Schulungen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die jedem Gastgeber zur Verfügung stehen, zu vermitteln. Es ist zwar ein Haufen Arbeit, die nahezu 6.000 Gastgeber zu coachen und weiterzubilden, aber das ist das große Ziel. Ein fataler Fehler ist auch: Die Wichtigkeit guter Daten wird extrem unterschätzt. Teilweise erhalten wir und die Tourist-Infos keine oder sehr schlechte Bilder und Texte der Unterkünfte. Eingescannte Fotos von 1995 sind einfach nicht mehr up-to-date und das merkt auch der Gast. Dadurch lässt sich eine Ferienwohnung natürlich schwer vermitteln. Die Datenqualität muss einfach gegeben sein: gute Bilder, eindeutige Beschreibungen, Hervorhebung der Highlights, sauber gepflegter Kalender.

Wo stecken die größten Chancen?

Kljajic: Eindeutig in der Online-Buchbarkeit! Und zwar geht es nicht darum, dass dann tatsächlich online gebucht wird, sondern dass der Gastgeber überhaupt gefunden wird. Als Gastgeber muss ich eine möglichst hohe Sichtbarkeit im Internet erreichen. Das schaffe ich nur mit der Online-Buchbarkeit. Und das Einzige, was der Gastgeber dafür tun muss ist, ist seinen Kalender richtig zu pflegen. Und gute Daten bereitstellen, aber das habe ich schon erwähnt.

Was ist die meistgestellte Frage?

Kljajic: Schwer zu sagen. Es gibt so viele. Oft wird wegen etwas Einfachem angerufen und dann ergeben sich Fragen zu anderen Themen, wie etwa Bewertungen, Preispflege und Preispolitik. Die eine häufige Frage gibt es nicht. Aber wir haben auf unserer Website eine Rubrik „Häufige Fragen“. Da kann man mal reinschauen: http://www.irs18.de/gastgeber/faq-gastgeber.html