Museumsleiter Stefan Kattari in seinem Element.

© Chiemgau Tourismus e.V.

Luftbildaufnahme des Museums Salz und Moor in Grassau. Ideales Ausflugsziel bei schlechtem Wetter.

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Mit Schirm, Charme &
spannender Geschichte
Museumsbesuch in Grassau geht bei jedem Wetter

Ein Museum muss bloß gut und interaktiv aufbereitet sein, von einem guten Geschichtenerzähler erläutert werden und, wenn’s leicht geht, noch ein Café dran haben, in dem es köstliche, selbstgemachte Torten gibt. Schon ist es ein top Ausflugsziel. Dass das möglich ist, erleben wir in Grassau mit eigenen Augen. Wer hier urlaubt und mal mit einem Regentag zu kämpfen hat, packt am besten seine Kinder ein und lernt mit ihnen auf unterhaltsame Weise etwas über die Geschichte der Region – genau genommen über den Einfluss, den Salz und Moor hier traditionell haben.


Technik, die greifbar ist

Stefan Kattari öffnet mit einem überdimensionalen Schlüssel, Marke Antiquität, die Pforten zu dem langgestreckten alten Steinhaus, das zum siebenteiligen Gebäudeensemble hier an der Grassauer Landesstraße gehört. Der Leiter des Technikmuseums „Salz & Moor“ im ehemaligen Brunnhaus Klaushäusl ist schwer motiviert, uns alle wichtigen Objekte in den Gemäuern aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts zu zeigen. Sein verschmitzter Blick hinter der Brille verrät, dass er von der Regionsgeschichte, die hier lebendig wird, begeistert ist. Um diese auch für Kinder greifbar zu machen, erzählt Stefan bei Führungen immer viele Anekdoten: „Hier ist Technik sichtbar, zugänglich und wird erklärt. Man muss sich aber etwas darunter vorstellen können, damit bei jungen Leuten Interesse geweckt wird“, nimmt er seinen pädagogischen Auftrag ernst.

Was genau war das heutige Museum früher?

Wir befinden uns in der ehemaligen Pumpstation Klaushäusl, die ursprünglich Teil der Soleleitung Bad Reichenhall – Traunstein – Rosenheim war. Hier pumpte man früher mit einer von Wasserkraft angetriebenen Solehebemaschine, einer technischen Meisterleistung der damaligen Zeit, Sole in ein Reservoir auf den Hügel hinauf. Von dort aus floss sie durch Leitungen nach Rosenheim. Bis 1958 tat die Maschine ihre Arbeit, seit 1995 ist sie das Herzstück des Museums.

Wie sieht es aus, dort, wo wir uns befinden?

Sieben Gebäude, die heute allesamt unter Denkmalschutz stehen, bildeten den Pumpstationenkomplex:

  • Niederreserve, in die ein Teil der Sole floss (an der Straße)
  • Maschinenhaus, das Zentrum der Anlage mit der Wassersäulenmaschine, von der eine baugleiche im Salinenpark Traunstein steht
  • Hochreserve (am Waldrand 40 Meter höher gelegen) zur Weiterleitung in Richtung Rosenheim
  • Aufschlagwasserhaus (zur Wasserdruckerzeugung am Weg zur Hochreserve am Rande der Treppe)
  • Brunnwärter-Wohnhaus: dient heute als Museum „Salz & Moor“
  • Gehilfen-Wohnhaus: ist heute ein liebevoll eingerichtetes Café, ideal für eine Ausflugspause und zum Verspeisen selbstgemachter bayerischer Kuchen und Torten
Blick auf das Innere des Museums Salz und Moor.

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Moderne Ideen, schon damals erfunden

Was den Museumsleiter am meisten fasziniert an der musealen Soleleitungspumpstation? Dass das Klaushäusl zwar alt aussehe, erläutert er, technisch gesehen aber komplett moderne Ideen drin stecken: „Es hat sich nichts verändert, außer der Wert des Salzes, das in früheren Zeiten essenziell zum Konservieren und daher ein großer Wirtschaftsfaktor war – das ist das Einzige, was uns von der Vergangenheit trennt. Ansonsten gibt es für alles moderne Entsprechungen. Der Begriff Pipeline etwa, der heute Öl- und Gasleitungen meint, entspricht technisch der Soleleitung – mit sämtlichen Implikationen“, erklärt er das alte Wunderwerk.
„Kinder müssen sich keine Jahreszahlen merken. Mir ist viel wichtiger, dass sie Zusammenhänge verstehen und Aha-Erlebnisse haben. Viel von dem, was sie hier sehen, entspricht einer absolut modernen Gedankenwelt.“ – Stefan Kattari

Tipp: Himmelstreppe zur Hochreserve

Gleich hinter den beiden Museumsgebäuden entdecken wir eine über steiles Gelände emporsteigende Stiege. Sie führt zur Hochreserve, die Stefan im Rahmen von Gruppenführungen manchmal zusätzlich vorstellt. Die Schüler fragen ihn jedes Mal, wie viele Stufen es seien, aber er fordert sie dann „erbarmungslos“ auf, es selbst herauszufinden. „Immer findet sich verlässlich jemand, der die Treppe dann nochmal abläuft“, erzählt er und lacht, „das ist gar nicht schlecht. So bekommen die Kids Bewegung während ihres Besuchs bei uns.“ So viel sei verraten: Es sind mehr als 150! Wir schnaufen ganz schön, als wir oben ankommen. Doch der Ausblick über die Moorlandschaft entschädigt uns dafür.

Blick auf das Museum Salz und Moor in Grassau von den Kendlmühlfilzen aus.

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Maschinenhaus des Museums Salz und Moor

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Eingangsbereich Museum Salz und Moor. Für jedes Wetter geeignet.

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Die Sache mit dem Moor


Der Museumsleiter trippelt in respektablem Tempo die vielen Treppen zurück hinunter. Ich hinterher. Als ich ankomme, hält er bereits höflich die Türe zum nächsten Häuschen auf, in dem sich die permanente Salz- und Moor-Ausstellung befindet. Auf den ersten Blick ist klar, dass hier viel Wert auf ein ausgeklügeltes museumspädagogisches Programm gelegt wurde: zahlreiche spielerische Elemente, stets den Altersstufen angepasst, Mitmach- und Verkleidungsstationen, Bilder-, Sprichwörter- und Ausmalstation, eine Kugelbahn aus Plastik, die das Prinzip der Soleleitung veranschaulicht.
Auch der Bereich zum Thema Moor ist mit Liebe zum Detail gestaltet. Man erfährt einiges von der Moorentstehung, Moororganismen und probiert interaktive Elemente aus. In originalem Moorwasser aus der Kendelmühlfilzen löffelt man Torfmoos. Es gibt ein „Entdeckerheft“ für kleine Forscher, eine Multimediastation, die den Kids extrem taugt, und einen braunen Weichboden, auf dem man das Gefühl hat, auf einer Moorwiese zu wandern.

Der Kuchenhimmel nebenan


Vollgesaugt mit neuem Wissen zu den Themen Salz und Moor spaziere ich gemeinsam mit Stefan ins schnuckelige Café hinüber. Da die Sonne gerade durchkommt, nehmen wir in dem mit frischen Blumen dekorierten Gastgarten Platz. Doch auch bei Schlechtwetter, geht es mir durch den Kopf, käme ich hierher, denn drinnen sieht es nicht weniger gemütlich aus. Die Entscheidung fällt angesichts der vielen prachtvollen Torten, die mir aus der Vitrine an der Theke entgegen lachen, schwer. Auf Nuss-Schoko fällt schließlich meine Wahl. Einfach köstlich. Und auch Stefans Käsekuchen scheint nicht von schlechten Eltern zu sein. Er bemerkt meinen neugierigen Blick und gibt mir ein Stück ab. Während er noch über meine Kuchen-Besessenheit schmunzelt, fängt er an, mir zusätzliche Ausflugsziele in der Gegend zu empfehlen: „Meistens gibt es da auch irgendwo in der Nähe guten Kuchen“, sagt er und lacht.

Kaffeegenuss beim Museum Salz und Moor. Ein Stück Kuchen fehlt natürlich nicht.

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Wander-Tipp: Grassauer Almen


Das Museum „Salz & Moor“ sei ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung zu den Grassauer Almen, erklärt der Museumsguide: „Wenn die Senner mit ihrem Vieh oben sind, gibt es eine schmackhafte Brotzeit für die Gäste.“ Insbesondere für Familien sei die Hefteralm ein Geheimtipp, denn da gibt es nicht nur einen herrlich fluffigen Kaiserschmarren,sondern auch noch einen Streichelzoo mit Ponys, Katzen, Kälbern und Co.

Wasserfall & Moor-Erlebnisweg


Von der Hochreserve aus gelangt man in 20 Minuten unkompliziert auf einem fast flachen Waldweg zum Griessenbach-Wasserfall – „Ein schöner Ausflug für Familien, die an den Museumsbesuch noch eine kleine Wanderung dranhängen wollen“, so der Ortskundige. Genauso empfehlenswert sei der Moor-Erlebnisweg auf der dem Museum gegenüberliegenden Straßenseite im Naturschutzgebiet Kendlmühlfilzen. Es handelt sich dabei um das größte Hochmoor in der Region Chiemgau:

  • Teilweise barrierefrei
  • Erlebnisspielplatz mit Picknick-Station
  • Baumbalancierweg & ehemaliger Torfstich
  • Rätsel zum Thema Flora & Fauna im Moor

Grabenstätter Moos & Achendelta


Ein paar Orte weiter führt durch die Moorlandschaft des Grabenstätter Moos ein barrierefreier, also für Rollstuhl wie Kinderwagen gleichermaßen geeigneter Weg, der einen freien Blick auf die vielen seltenen Pflanzen im Naturschutzgebiet eröffnet. „Wer die Sibirische Schwertlilie, das Wahrzeichen Grabenstätts, kennenlernen möchte, fährt nach dem Museumsbesuch am besten noch dorthin“, empfiehlt Stefan. Auf dem Aussichtsturm  „Hirschauer Bucht“ beobachtet man durch ein Spektiv die faszinierenden Wasservögel im Achendelta am Chiemsee. Der Fluss fließt durch eine ursprüngliche Wildnis, die auf sanfte Wiesen trifft.

Naturpavillon & Römermuseum für bereichernde Familientage


Eine weitere Attraktion, die ich laut Stefan bei meinem nächsten Besuch im Chiemgau nicht missen darf, ist der Naturpavillon in Übersee, die beste Anlaufstelle für naturinteressierte Urlaubende. „Die dortige Umweltpädagogin Martina Mitterer hat ein super Gespür für Kinder und Jugendliche. Sie kocht und bäckt mit ihnen und eröffnet auf spielerische Weise einen Zugang zu Umwelt- und Klimathemen“, weiß er zu berichten.
Zentral in Seebruck liegt außerdem das Römermuseum, da der Ort früher eine römische Siedlung war. Etliche spannende Ausgrabungsfunde seien dort zu sehen. „Das Römermuseum ist auch wirklich schön aufbereitet. Es macht das Leben in der Vergangenheit für Kids greifbar“, ist Stefan voller Lob für seine Kollegen ein paar Orte weiter.

Naturkunde- und Mammutmuseum Siegsdorf


Genauso empfehlenswert findet er das Naturkunde- und Mammutmuseum Siegsdorf. Die Knochen eines Mammuts sind dafür verantwortlich, dass dort diese Einrichtung steht, die 250 Millionen Jahre Erdgeschichte veranschaulicht. Im wahrsten Sinne ein Highlight für die Kids ist das Skelett des Siegsdorfer Mammuts, das mit 3,60 Metern Schulterhöhe deutschlandweit eines der größten seiner Art repräsentiert.

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