Osterbrunnen

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Osterbräuche im Chiemgau

In der Region Chiemsee-Chiemgau gibt es ausgefallene Osterbräuche, die du unbedingt kennenlernen solltest.


Zu Ostern gibt es allerlei Bräuche, die durch die Kar- und Feiertage führen. Sie sind bunt wie die zum Fest gefärbten Eier und einige von ihnen ebenso selten zu finden. Während die allermeisten die klassische Osternestsuche kennen, gibt es im Chiemgau noch Traditionen lang vergangener Tage, die über dessen Grenzen hinaus kaum mehr bekannt sind. Oder wem sagt etwa das "Oascheibn" etwas? Dir nicht? Lies selbst!

"Palmesel"

Der Palmsonntag symbolisiert den Einzug von Jesus Christus in Jerusalem auf einem Esel. Das Volk triumphierte und verteilte Palmzweige auf dem Weg. Diese Palmprozession wurde von Dorfpfarrern seit dem 10. Jahrhundert symbolisch nachgestellt, allerdings hatten die Esel weniger Lust darauf. Die Tiere blieben öfter mal stehen und bewegten sich nicht weiter. Wer heutzutage am Palmsonntag als letzter aufsteht, hat genau dasselbe unanständige Verhalten wie die Esel damals und wird als „Palmesel“ betitelt.

Übrigens auch an anderen Tagen der Karwoche bereuen es die Spätaufsteher: „Gründonnerstagslümmel“ und „Karfreitagsratschn“. Am Sonntag aber sind sie das süße kleine „Osterlamm“.

Osterbrunnen schmücken

Ursprünglich kommt der Brauch von der Fränkischen Alb. Hier herrschte schon immer ein extremer Wassermangel. Damals gab es keine zentrale Wasserversorgung und es wurden Brunnen in den Tälern errichtet, um das Wasser zu speichern. Die Brunnen werden seit etwa Anfang des 20. Jahrhunderts geschmückt, als Zeichen der Dankbarkeit für das lebensnotwendige Elixier: Wasser. Die so genannten Osterbrunnen sind behangen mit bunt bemalten Ostereiern, Blumen und Papierbändern. Häufig wird die Dekoration auch in Form einer Krone an den Brunnen angebracht.

Auch kulinarisch ist die (vor-)österliche Zeit im Chiemgau geprägt von Besonderheiten. So werden in einigen Bäckereien der Region zwischen Aschermittwoch und Karsamstag die traditionellen Fastenbrezen angeboten. Anders als die vor allem in Bayern bekannten Kultgebäckstücke, sind Fastenbrezen nicht mit Lauge überzogen. Sie werden lediglich gesalzen. Mit ihren wenigen Zutaten passen sie gut in die Zeit des Verzichts zwischen Fasching und Ostern und sind vermutlich auf eine klösterliche Fastentradition zurückzuführen.

Traditionelle Osterspiele

"Oascheibn"
Das perfekte Osterspiel für Familien am Ostersonntag und Ostermontag: Für das sogenannte „Oascheibn“, „Oa-schiam“ oder einfach „Eierrollen“ braucht man folgende Dinge: zwei Rechen, gekochte Eier und ein Fleckchen Wiese, auf dem gespielt werden kann. Aus den Stielen der Rechen bildet man eine Rampe (man kann ein Ende der Rechen beispielsweise auf einem Stuhl platzieren). Der Erste lässt ein Ei die Rampe runter kullern. Danach wird auf das Ei ein Cent-Stück gelegt. Der Zweite muss nun versuchen das Geldstück vom ersten Ei runter zu schieben, indem er sein Ei auch die Rampe runter schickt. Wenn ihm das gelingt, darf er das Cent-Stück behalten.

"Oabecka" / "Oahiartn"
Ebenfalls ein Spiel für Jung und Alt: Zwei Personen bekommen jeweils ein Osterei. Ziel des Spiels ist es, das Ei des Gegners zum Brechen zu bringen, ohne dass das eigene beschädigt wird. Man schlägt abwechselnd mit der Spitze des eigenen Eis, auf die des anderen. Für gewöhnlich "spielt" man es am Ostersonntag am Frühstückstisch. Derjenige, dessen Ei als einziges nicht zerbrochen ist, gewinnt.