Das Ambiente im Freilichttheater beim Holzknechtmuseum ist unbeschreiblich.

© Ruhpoldinger Waldweihnacht

Die Ruhpoldinger
Waldweihnacht
Ein Krippenspiel wird zum Theater-Highlight

Die 13. Ruhpoldinger Waldweihnacht ist nicht nur eine Aufführung der klassischen Weihnachtsgeschichte – sie ist ein echtes Theater-Erlebnis unter freiem Himmel, umrahmt von der heimeligen Atmosphäre des Holzknechtmuseums Ruhpolding. Nur alle drei Jahre gibt es sie zu sehen. Und jedes Mal lassen sich die Veranstalter vom Trachtenverein Miesenbacher in Ruhpolding eine neue Überraschung für ihre Waldweihnacht einfallen.

Kamele und Elefanten im Chiemgau


Kamele live vor Ort in der Chiemgauer Weihnachtsgeschichte? Kein Scherz! Die Ruhpoldinger Waldweihnacht lässt sich alle drei Jahre etwas Neues und manchmal auch Kurioses einfallen. Da kann es schon mal passieren, dass die Heiligen Drei Könige auf einem echten Kamel zur Krippe reiten. Auch ein Elefant war schon mal im Gespräch. Das Problem: Zu Weihnachten ist bei den Dickhäutern Brunftzeit und da sind – mit Verlaub – auch Zoo-Elefanten nicht kooperativ. Geschweige denn reisefreudig. Im Kern bleibt die klassische Weihnachtsgeschichte natürlich auch in der Region Chiemsee-Chiemgau die alte. Maria und Josef machen sich auf Geheiß von Kaiser Augustus auf den Weg in ihre Heimatstadt Bethlehem, um laut Bibel an der seinerzeit ersten Volkszählung teilzunehmen. Nach gescheiterter Herbergssuche finden sie Unterschlupf in einem Stall. Dort wurde in der Nacht des 24. Dezembers Jesus geboren und auch gleich von den Heiligen Drei Königen besucht. 

Die Ruhpoldinger Waldweihnacht spielt immer in einer anderen Zeit.

© Ruhpoldinger Waldweihnacht

Die Schauspieler der Waldweihnacht sind Laien und Mitglied des Trachtenvereins "Miesenbacher".

© Ruhpoldinger Waldweihnacht

Auch bei der Waldweihnacht Ruhpolding gehen Maria und Josef auf Herbergssuche.

© Ruhpoldinger Waldweihnacht

Eine Geschichte – 13 verschiedene Inszenierungen


Die Weihnachtsgeschichte wird in ihrem Verlauf also nicht verändert – wohl aber das Setting. Die Geschichte der Ruhpoldinger Waldweihnacht spielte schon in der Zeit vor, nach und während der Weltkriege oder auch in der prunkvollen Biedermeier-Epoche. Das diesjährige Bühnenbild bauen die Ruhpoldinger seit Anfang November mit großem Elan auf – ihr dürft gespannt sein. Die rund 100 Laien-Schauspieler proben allerdings schon seit August mindestens zwei Mal pro Woche ihr Weihnachtsstück ein. Aber nicht nur Zweibeiner wirken in diesem extraordinären Schauspiel mit, auch ein halber Bauernhof ist mit von der Partie: Lebende Ochsen, Schafe und Pferdegespanne sind für das Schauspiel wie Salz in der Suppe. Und wer weiß schon, welche Tiere dieses Jahr noch dabei sind. Das möchte Anton Senoner jun., Organisator und Vorstand der Miesenbacher, aber nicht verraten. 

Zammkema und zammhelfen


Damit dieses wortwörtliche Zusammenspiel auch gelingt, muss jeder im Dorf auf seine Art und Weise mithelfen. Da ist das bairische „zammkema“ und „zammhelfen“ wohl das ultimative Erfolgsgeheimnis der Miesenbacher. Es hilft wahrscheinlich auch, dass der Miesenbacher Trachtenverein mit 700 Mitgliedern einer der größte Trachtenvereine Bayerns ist. Da ist es Ehrensache, von klein auf alle drei Jahre bei diesem Schauspiel mitzuwirken. Anton Senoner jun. kann davon ein Lied singen: 1995 war er im zarten Alter von sechs Jahren schon Teil des Theater-Ensembles. Heute leitet er die Geschicke – und nimmt dafür extra Urlaub von Straßenbauamt und Bauernhof. Dieses Event zu organisieren, verlangt nämlich einiges ab: Die Licht- und Tontechnik, der Aufbau der Kulisse und Tribüne, die Beschaffung der diversen Kostüme und natürlich auch der Ticketverkauf müssen organisiert werden. Bei den Kostümen darf Senoner allerdings auf besonders erfahrene Hände zurückgreifen: „Eva Schwaiger, selbst schon über 80 alt, hat schon für die Salzburger Festspiele genäht und einen großen Fundus, aus dem wir uns bedienen können,“ erzählt er zufrieden. Das allein macht die Ruhpoldinger Waldweihnacht schon zu mehr als einem einfachen Dorftheater.  
 

Die Heiligen Drei Könige bei der Waldweihnacht Ruhpolding in aufwendigen Kostümen.

© Ruhpoldinger Waldweihnacht

Jeder fängt mal klein an


Das war nicht immer so. Ihren Ursprung hat die Ruhpoldinger Waldweihnacht – so wie ihr heutiger Organisator – in einem kleinen Krippenspiel. „Der damalige Miesenbacher Vereinsvorstand hat Ende der 70er-Jahre einfach mal ein Krippenspiel organisiert“, so Senoner. Die Ruhpoldinger Fassung der Weihnachtsgeschichte wurde zum Dauerbrenner, die Zuschauer immer mehr. Mit dem Erfolg kam die Professionalität. „Früher hatten wir nur Baustrahler und keinen Ton. Die Tribüne war ein Kieshaufen, auf den sich die Zuschauer raufgestellt haben“, erinnert sich der junge Oberbayer lächelnd zurück. Im „Bayern Erleben Spezial“ schafft es das Bayerische Traditionstheater am 3. Dezember sogar ins Bayerische Fernsehen (BR).  

Karten sind heiß begehrt


Für fünf Termine am 1., 8., 9., 15. und 16. Dezember werden dieses Jahr 1400 Tickets pro Aufführung verkauft. Es gilt schnell Tickets zu sichern. Die Karten gibt es im Hotel „Ruhpoldinger Hof“ zu kaufen. Sie können dort auch telefonisch reserviert werden.  

Das muss mit


Hier nochmal Tipps für ein frostbeulenfreies Theater-Erlebnis:

  • Warme und winterfeste Kleidung anziehen – es ist kalt im bayerischen Winter. 
  • Schneefall wurde vorbestellt – die Lieferung vom Himmel an die Erde wird manchmal nicht richtig gekühlt, daher kann es auch zu Regen kommen. Ponchos liegen für Zuschauer bereit, ein eigener kann aber trotzdem nicht schaden. Regenschirme sind leider nicht nur wasser- sondern auch blickdicht und deswegen nicht erlaubt.  
  • Die Sitzschalen sind nicht gepolstert, es empfehlen sich Sitzunterlagen
  • Wer nicht will, dass ihn ein wildgewordener Ochse auf die Hörner nimmt, sollte auf einen Blitz beim Fotografieren verzichten.  
  • Verhungern werdet ihr in der Region Chiemsee-Chiemgau grundsätzlich nicht – auch nicht bei der Ruhpoldinger Waldweihnacht: Es gibt Glühwein, Jagertee und Bosna
  • Das Auto wird nicht gebraucht: Der kostenlose Busshuttle fährt ab zwei Stunden vor Spielbeginn vom Bahnhof Ruhpolding über Fuchsau und das Biathlonzentrum zum Holzknechtmuseum.
     

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