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Seeadler am Chiemsee
© Hans Wolf

Seeadler*in sucht Partner*in

Datum: 03.12.2021
Von: Claudia Kreier

Genderwahnsinn? Nein. Es ist nur so, dass selbst Vogelexperten nicht mit Gewissheit sagen können, ob der Seeadler am Chiemsee ein Weibchen oder Männchen ist. Eines aber steht fest: Über Nachwuchs würden sich alle freuen. Im Jahr 2007 hatte sich schon einmal ein Seeadlerpaar im Achendelta niedergelassen, und für kurze Zeit sah es richtig nach Familienplanung aus. Irgendetwas kam aber dann dazwischen, und die Seeadler haben das Projekt Nestbau im Achendelta abgebrochen. Später wurde eines der Tiere, leicht zu erkennen an der fehlenden Feder in der Armschwinge, in der Nähe von Simbach am Inn gesichtet.

»Da werden auch die Hobbyfotografen nervös...«

Dirk Alfermann über den Moment, wenn der Seeadler sich zeigt.

Seit einiger Zeit wohnt nun wieder ein Seeadler im Achendelta, ein Single. „Ich bin guter Dinge, dass er hierbleibt. Und dass sein Gegenstück auch irgendwann zufällig vorbeikommt“, sagt der Biologe Dirk Alfermann. Wer viel Geduld mitbringt, kann den ausgewachsenen Greifvogel von einem der Beobachtungstürme (in Hirschau, Hagenau oder Lachsgang) erspähen, vor allem in den frühen Morgenstunden. „Er sitzt meist versteckt in der Nähe des Ufers und hat seine potenzielle Beute im Blick. Manchmal verfolgt er die Trupps von Wasservögeln in der Luft. Wenn die Enten und Blesshühner plötzlich ganz unruhig werden und das Wasser verlassen, muss man die Augen offenhalten. Dann könnte es sein, dass der Seeadler sich zeigt.“ Mit seinen zweieinhalb Metern Spannweite ist er nicht so leicht zu übersehen. „In solchen Momenten werden auch die Hobbyfotografen nervös“, lacht Dirk.

Der Vogelexperte hat ein Auge darauf, dass freilebende Tiere am Chiemsee genügend Rückzugsmöglichkeiten finden. Dafür sind rund um den See mehrere Ruhezonen ausgewiesen. Sie liegen unter anderem in der Schafwaschener Bucht bei Rimsting und auf der Ostseite der Herreninsel. Dort ist es der schilfbewachsene Streifen vom Dampfersteg bis zum schönen Aussichtspunkt „Pauls Ruh“. Auch in der Hirschauer Bucht, wo Dirk an diesem Nachmittag mit einem Chiemgauer Paar unterwegs ist. Viele Naturfreunde erleben, so wie Ilse und Daniel aus Grabenstätt, bei kostenlosen Vogelbeobachtungen den Chiemsee von einer ganz neuen Seite (siehe auch unser Video).

Dirk Alfermann zeigt den Gästen die Vögel auf dem Chiemsee
© Chiemgau Tourismus e.V.

Während der „Großgefiedermauser“ verlieren Höckerschwäne, Entenarten und Gänse einen großen Teil ihres Gefieders und sind teilweise gar nicht mehr flugfähig. In dieser Zeit sind sie besonders störanfällig und schutzbedürftig. Im vergangenen August, berichtet Dirk, hielten sich über hundert Höckerschwäne zur Mauser in der Hirschauer Bucht auf. Hin und wieder machen ein paar Flamingos am Chiemsee Station; im Jahr 2017 waren es fünf Tiere, im September 2020 eines, ein Chile-Flamingo. Woher sie kommen und wohin sie ziehen, ist nicht bekannt. Eine Vermutung gibt es allerdings: dass sie aus einer privaten Haltung bei Salzburg stammen und immer wieder mal – wer könnte es ihnen verdenken – Ausflüge an den Chiemsee machen. 

Vögel mit Brot füttern? Lieber nicht…

Insgesamt gibt es acht Beobachtungsstationen rund um den Chiemsee, alle ausgestattet mit Spektiv und einem fantastischen Blick über den See. Meist tummeln sich im seichten Wasser davor Blässhühner, Haubentaucher, Höckerschwäne, Tafel-, Schell- und Reiherenten. Ihre Zahl schätzt der Vogelexperte in den Wintermonaten auf rund 20.000 Exemplare. Vor einigen Jahren waren es noch 30.000 Tiere. „Die Winter werden wärmer. Manche Vogelarten haben deshalb ihre Flugrouten und Winterquartiere verändert, erklärt Dirk. Die Wasservögel zu füttern, um ihre Zahl stabil zu halten, und deshalb Brotreste ins Wasser zu werfen, hilft den Tieren nicht: Das verschmutzt nur das Wasser und lockt Ratten an.

Der Seeadler hat die vielen Kormorane vertrieben

Zurück zum Seeadler. Dirk vermutet, dass die große Kormoran-Kolonie, die sich einige Jahrzehnte lang im Achendelta heimisch gefühlt hatte, wegen des Seeadlers das Weite gesucht hat. Mehr als 115 Kormoran-Brutpaare hatten Ornithologen noch im Jahr 2015 gezählt. Mittlerweile sind die Nester verlassen; nur ein kleiner Teil der Kolonie lebt noch am Westufer des Chiemsees.  Eine Entwicklung, über die viele Fischer am Chiemsee sehr erleichtert sein dürften, denn jeder junge Kormoran frisst täglich bis zu einem halben Kilo Fisch. Die Fischereigenossenschaft steckt viel Mühe und Geld in die Aufzucht der Renken, und die vielen hungrigen Kormorane verursachten jedes Jahr immensen Schaden. Aufmerksame Vogelbeobachter dürften bereits bemerkt haben, dass die schlanken, schwarzglänzenden Tiere, die bis in eine Tiefe von 25 Metern tauchen können, viel weniger geworden sind.

 

Die frei zugänglichen Naturbeobachtungsstationen in der Hirschauer Bucht, in Hagenau, Chieming, Seebruck, Gstadt, Rimsting, Bernau und Übersee sind ein Anziehungspunkt für Naturfreunde. Vogelführerinnen und -führer bieten ganzjährig geführte Beobachtungen an. Alle Termine stehen auf www.terminwand.de. Bei den Beobachtungen stehen Wasservögel im Vordergrund. Eine morgendliche Singvogelführung veranstaltet der Landesbund für Vogelschutz jedes Jahr Anfang Mai auf der Insel Herrenchiemsee. Über Umweltbildungsangebote im Chiemgau, wie etwa das Programm „Der Natur auf der Spur“, informiert die Seite www.chiemseeagenda.de, Stichwort NaturErlebnisChiemsee.

Dirk Alfermann ist Diplom-Biologe und im Auftrag der Landkreise Traunstein und Rosenheim als Gebietsbetreuer für den Chiemsee tätig. Zu seinen Aufgaben gehört es, dafür zu sorgen, dass Vögel und Fische genügend Rückzugsgebiete finden.

Fernglas liegt am Beobachtungsturm
© Chiemgau Tourismus e.V.
Detailaufnahme von einem Trachtenhut
© Chiemgau Tourismus e.V.

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© Chiemgau Tourismus e.V.

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