Die Wirtsleute der Windbeutelgräfin Stefanie und Helmut Stemmer im Kannenzimmer.

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Die Windbeutelgräfin
in Ruhpolding
Historisches Süßgebäck mit adeligem Anstrich

Vom frischen Windbeutel über traditionsreiche Stuben bis hin zu Jubiläums-Süßgebäck – Die Windbeutelgräfin steckt voller Überraschungen.


Schon von außen ist das Kaffeehaus namens Windbeutelgräfin alles andere als normal. Die Bilder aus vergangenen Zeiten an der Hausmauer und der Türbogen aus echtem Ruhpoldinger Marmor lassen erahnen, dass sich in diesem Kaffeehaus etwas Besonderes abspielt. Das Café der Windbeutelgräfin ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Verfechter und Genießer dieser Art der Zuckerbäckerei strömen aus München, Salzburg und Innsbruck nach Ruhpolding, um hier bei der Windbeutelgräfin Platz zu nehmen. Dabei sind aber nicht nur die Größe und die Form dieser Windbeutel ein Highlight: Auch das Ambiente spricht für sich! Ein Besuch bei der Windbeutelgräfin ist ein Erlebnis, das man sich im Chiemgau nicht entgehen lassen darf. Geführt wird das Café heute allerdings nicht mehr von der Windbeutelgräfin persönlich. Das Gasthaus wurde 1977 von Familie Grill übernommen und ging 2014 an Helmut Stemmer und seine Tochter Steffi über. Dem Namen Windbeutelgräfin und den alten Rezepten ist man aber nach wie vor treu.

Patentierte Windbeutel für den König


Der Name des Gasthauses ist hier natürlich Programm. Die Windbeutel sind in der Schweiz als Ofenküchlein, in Österreich als Brandteigkrapferl und in Frankreich als Profiterols bekannt. Mit einem Unterschied: So wie bei der Windbeutelgräfin schmeckt diese Süßspeise sonst nirgendwo. Von was hier genau die Rede ist? Die Spezialität des Hauses ist ein rund 13 cm hoher Windbeutel-Schwan, gefüllt mit Heidelbeeren, Vanilleeis, Schlagobers und Eierlikör. Dieser Windbeutel ist so einzigartig, dass die Windbeutelgräfin ihn sogar patentieren ließ. Der Name dieser exklusiven Süßspeise lautet „Lohengrin-Windbeutel“. Und wie alles bei der Windbeutelgräfin hat auch dieser Name eine Geschichte. Die Bayern verehren König Ludwig, der übrigens ein großer Fan der Lohengrin Oper war. In diesem Stück kommt auch ein Schwan vor und genau diesen nahm sich die Windbeutelgräfin für ihr berühmtes Gebäck zum Vorbild. Denn wer hat schon jemals einen Windbeutel in Schwanenform gebacken? Diese Extravaganz hätte dem schillernden König Ludwig II. sicherlich gefallen.

Hier wird der patentierte Lohengrin-Windbeutel zubereitet

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Aus Frotzeleien wird ein Markenname …


So viel Extravaganz kann in einem bayerischen Dorf schon mal belächelt werden. Die Bayern wissen mit solchen Frotzeleien, also Sticheleien, aber gut umzugehen. Nicht nur König Ludwig stellte das schon unter Beweis. Auch die Gründerin des Kaffeehauses Frau Richardis von Somnitz zum Mühlbauernhof hatte diese gewisse bayerische Sturheit in sich. Entgegen aller Widrigkeiten. Das zeigt schon die Geschichte, wie die resolute Dame zu ihrem Namen kam. Der Mühlbauernhof aus dem 17. Jahrhundert, aus dem das Kaffeehaus entstand, sollte eigentlich von einem Grafen zum Gestüt umfunktioniert werden. Dieser konnte seine Pläne aber nicht umsetzen und die Windbeutelgräfin übernahm im Jahr 1949 den Hof. Sie war zwar selbst keine Gräfin, dank der Geschichte des Mühlhofes haftete ihr aber dieser Titel an.
Die also nicht wirklich adelige Gräfin eröffnete in der kargen Nachkriegszeit ein Kaffeehaus. Allerdings waren weder das Kochen noch das Backen ihre Stärke. Sehr zum Unmut der Gäste. Die Rettung kam in Form eines Gastes, der ihr ein Windbeutelrezept vermachte. Allerdings verwendete Frau Richardis von Somnitz bei ihrem ersten Versuch, einen Windbeutel zu backen, viel zu viel Teig. So entstand statt einer lieblichen Süßspeise ein wahres Ungetüm aus Windbeutel. Fortan nannte das Dorf die Erschafferin dieser überdimensionierten Süßspeise die Windbeutelgräfin. 

Der Name entstand also aus einer Frotzelei. Und aus dieser formte die gestandene Bayerin ihren Markennamen – und bis heute weiß jeder rund um Ruhpolding genau, wer und was damit gemeint ist! 

Stefanie Hammer beim Servieren der Köstlichkeiten aus der Windbeutelgräfin

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Echt bayerisch – in allen Facetten


Hier ist das Bayerische nicht nur (auf der) Fassade, die die Geschichte des Landes in Bildern zeigt. Das erschließt sich auch aus der Speisekarte, in der zwischen den Zeilen „weiß-blaue“ Sprüche und Weltanschauungen versteckt sind. Der höhere Sinn dahinter: Die Zitate und Exkurse sollen das Verständnis für das „kleine liebenswerte Bergvolk mit all seinen Hinterfotzigkeiten“, so die Karte, verständlicher machen. Hinterfotzig, also heimtückisch oder hinterhältig, trifft auf die Backstube der Windbeutelgräfin allerdings nicht zu. Man bekommt auf den Teller, was in der Karte versprochen wird. 

In acht verschiedenen Stuben wird der Fokus auf verschiedene Aspekte der bayerischen Geschichte gesetzt. Im Marinezimmer wird die Kolonialgeschichte Deutschlands thematisiert.

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345 Kannen hängen im Kannenzimmer an allen Wänden und sogar auf der Decke!

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Frischer Wind im Beutel


Nicht nur der Windbeutel wird jeden Tag frisch zubereitet, auch die Ideen gehen den Wirtsleuten nicht aus. Die erlebbare Tradition in den acht verschiedenen Stuben voller Geschichten, Bildern und Zeitzeugnissen führt auch immer wieder zu neuen Windbeutelkreationen. Eine der Stuben, deren Wände mit 345 Kannen aller Art behangen sind, dient auch immer wieder als Austragungsort des Windbeutel-Wettessens. Der Rekord liegt übrigens aktuell bei acht verspeisten Lohengrin-Windbeuteln. Auch die Biathlonlegende Fritz Fischer nahm hier schon Platz und verspeiste den Jubiläums-Windbeutel Nummer 1.750.000. Das klassische Windbeutelrezept bekommt übrigens jeder, der bei Familie Stemmer persönlich darum fragt. Das richtig echte Windbeutel-Feeling gibt es aber nur hier in Ruhpolding. 

Eckdaten


Geöffnet ist die Windbeutelgräfin täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr. Am Montag ist Ruhetag, außer an Feiertagen. Übrigens sollte man genug Bargeld eingesteckt haben: Bei der Windbeutelgräfin ist keine Kartenzahlung möglich. Zu finden ist das Kaffeehaus in der Brander Straße 23 in Ruhpolding an einem nahegelegenen kleinen Bächlein umrahmt von den Chiemgauer Alpen. 

Die Fassade des Kaffeehauses Windbeutelgräfin ist bemalt mit Bildern aus der Chiemgauer Geschichte.

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