Christian Maier ist das ganze Jahr von Blumen umgeben. Nicht, weil er ein Gewächshaus hat. Sondern weil vor über 100 Jahren einer seiner Vorgänger den Überseer “Häuslschusterhof” rundherum mit Blumen bemalt hat. Jeden der 48 Fensterläden des Hofes ziert eine handgemalte Blüte, sommers wie winters. Ob das der Grund war, dass der Maschinenring ihn im Frühling 2021 wegen einer “blumigen” Idee angesprochen hat, bezweifelt er. Seit diesem Zeitpunkt jedoch bietet er Patenschaften für Blumenflächen auf seinen Feldern an. “Es war sofort ein Erfolg”, erinnert sich Maier. “Die Achentaler Bürger haben das sehr gerne angenommen. In einem Jahr hatten wir fast 8.000 Quadratmeter, das ist mehr als ein FIFA-Fußballfeld.” Im vergangenen Jahr waren es rund 5.000 Quadratmeter, auf denen Bienen und andere Insekten Nahrung und Unterschlupf finden - letzteren auch im Winter, da er die Flächen nicht mäht. Das ist nach Angaben des 33-Jährigen vor allem für Wildbienen wichtig. Auf den Blühfeldern sät er Ende Mai eine Blühmischung an, die dann bis in den Spätherbst hinein blüht. “Das ist ein schöner Anblick für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad vorbeikommen, schöner als Silomais", sagt Maier, und ergänzt: “Wer eine Patenschaft hat, darf auch zum Blumenpflücken auf das Feld gehen. Da wachsen Ringelblumen, Schmuckkörbchen, Malven, Phacelien und noch viele andere."
Der Überseer Martin Bauhofer war Blühpate der ersten Stunde. Er und seine Frau besitzen zwei Patenschaften für je 100 Quadratmeter. Den Anstoß dafür gab eine Beobachtung in der Natur: “Ich bin 27 Jahre jeden Tag von Übersee nach Marquartstein geradelt. Über die Jahre sind die blühenden Wiesen links und rechts vom Weg immer weniger geworden”, berichtet Bauhofer, ehemaliger stellvertretender Schulleiter des Landschulheims Marquartstein. Er hat fünf Bienenvölker und ist im Austausch auch mit Imkern, die in München Bienenvölker haben: “Die haben höhere Erträge, während meine Bienen fast verhungern." Die Blühpatenschaften sieht er als kleinen Beitrag für die Natur - und für seine eigenen Bienen.
Auch in diesem Jahr stehen in verschiedenen Gemeinden des Landkreises ein- oder mehrjährige Blühflächen zur Verfügung, die von der Chiemgau GmbH vermittelt werden. “Blühpatenschaften sind ein Geschenk für Mensch und Heimat”, sagt Magdalena Frank, Regionalmanagerin bei der Chiemgau GmbH. “Wer der Region verbunden ist, der freut sich zum Valentinstag vielleicht über eine blühende Wiese in der Heimat mehr als über Tulpen aus Amsterdam”, sagt die 27-Jährige augenzwinkernd. Das Besondere an dem Projekt ist für Magdalena Frank, dass hier “so viele Verbände mit unterschiedlichen Ausrichtungen so gut zusammenarbeiten”. Interessenten können sich bis zum 31. März unter wifoe@chiemgau.bayern melden. Eine Patenschaft für 100 Quadratmeter kostet 50 Euro. Die Blühpatenschaften sind eine Kooperation von Maschinenring Traunstein, den bayerischen Verbänden der Bauern, Bienenzüchter und Imker, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, der Kreisgruppe Traunstein des Bund Naturschutzes sowie der Chiemgau GmbH. Alle Informationen stehen im Internet unter www.eveeno.com/patenschaft.