"Mitarbeiter zu führen muss man erst lernen"

4. März 2026

SMASH (Smart Attraction System for Human Potential) ist ein Programm zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität. Franziska Danner hat das aus EU-Mitteln geförderte Projekt zwei Jahre lang für die Chiemgau GmbH geleitet. Beteiligt waren auch die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice sowie Innovation Salzburg, die Innovations- und Standortagentur für Salzburg. Gemeinsam betreute das Team aus allen drei Regionen fast 50 Unternehmen. Einer dieser Betriebe, der Metallbearbeitungsbetrieb Frank Wojtinowski e.K. in Kirchanschöring, hat das vollständige SMASH-Programm durchlaufen. Zum Abschluss des Projekts stand CTO Dennis Wojtinowski für ein Interview zur Verfügung.  

Chiemgau GmbH: Was hat sich im Laufe des SMASH-Prozesses in Ihrem Blick auf Arbeitgeberattraktivität grundlegend verändert?

Dennis Wojtinowski: Durch die vielen Workshops und das darin Gelernte konnte ich mich selbst weiterbilden und Herangehensweisen ändern, mit denen ich selbst in der Vergangenheit nicht gut klargekommen bin. Und wo ich jetzt, im Rückblick auf mich selbst gesehen, sagen muss, so manches, was ich mal gesagt oder gemacht habe, war echt nicht cool. Der Satz vom lebenslangen Lernen kommt nicht von ungefähr. Auch was das Verständnis und die Führung von Mitarbeitern betrifft - aktives Zuhören und Verstehen ist nicht selbstverständlich, das musste ich auch erst lernen, dem Gegenüber nicht nur zuzuhören sondern auch reflektiert darüber nachzudenken, ob das Gesagte auch wirklich das ist, ist was gemeint ist, oder ob noch mehr dahintersteckt.

Welche der getesteten Maßnahmen hatte für dich den größten Effekt und woran hast du gemerkt, dass sie wirkt?

Wojtinowski: Allem voran natürlich unser KVP-Board und Kummerkasten! Hier können unsere Mitarbeiter allesamt zu jeder Zeit einen Zettel in die Box werfen, darauf ist kurz beschrieben welches Anliegen wir zu besprechen haben. Sei es ein automatischer Türschließer, um Zugluft zu mindern, oder Gespräche zu persönlicher Entwicklung, Gehalt oder Sorgen & Ängsten der Leute im Allgemeinen. Dass diese Maßnahme wirkt, sehen wir wöchentlich an den eingeworfenen Anliegen. Am Anfang waren es schon einige, mittlerweile regelmäßige Zugänge!

Was hat SMASH im Unternehmen ermöglicht, was ohne das Projekt wahrscheinlich nicht oder nicht in dieser Form umgesetzt worden wäre?

Wojtinowski: Ganz kurz und knapp - die Änderung meiner Ansichten und Vorgehensweisen in einigen Punkten. Mitarbeiter zu führen und in Ihrer Entwicklung zu helfen muss man auch lernen, es reicht nicht aus einfach "nur" Teamleiter, Abteilungsleiter oder Chef zu sein.

Welchen konkreten Nutzen nimmt Ihr Unternehmen langfristig aus SMASH mit?

Wojtinowski: Es ist sinnvoll, sich immerzu selbst weiterzubilden und Gespräche mit anderen Menschen in leitenden Positionen zu führen, und zwar ganz ungeachtet der Branche. Es ist nämlich definitiv überall am Ende die gleiche Problematik, nur in anderem Gewand.

Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps für andere Arbeitgeber?

Wojtinowski: Sich selbst nicht zu Ernst nehmen & Gelassenheit walten lassen, damit kommt man viel weiter. Führung ist kein Schubladenthema, mal muss sie locker sein, mal streng, es gibt nicht die Universallösung, die immer klappt. Lasst es zu, dass euch andere Leute abholen, man meint gar, nicht wie viel Wissen oft unter der Oberfläche versteckt liegt!