Schlummert die ideale Besetzung im eigenen Team?

Die Chiemgau GmbH ruft Unternehmen in der Region auf, sich an einem neuen Projekt zu beteiligen. Das EU-Projekt „Potenzialentdecker“ zielt darauf ab, bislang unerkannte Potenziale und informelle Kompetenzen von Mitarbeitenden sicht- und nutzbar zu machen. Mit der gezielten Weiterentwicklung von eigenem Personal soll unter anderem dem Fachkräftemangel in der Euregio Salzburg–Berchtesgadener Land–Traunstein begegnet werden. Dank der EU-Förderung kann auch im Chiemgau ein Unternehmen – oder auch eine Abteilung eines Unternehmens - kostenfrei an einem rund einjährigen Entwicklungsprogramm teilnehmen. Vorgesehen sind Workshops, Coachings und individueller Begleitung. Im Fokus stehen dabei „Future Skills“ – also Fähigkeiten für die Zukunft - und eine strategische Personalentwicklung, die insbesondere kleine und mittlere Organisationen nachhaltig stärkt. 

Zum Auftakt des Projekts kamen zahlreiche Chiemgauer Unternehmensvertreterinnen und - vertreter nach Traunstein. Viele Arbeitgeber sähen im Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen der Zukunft, betonte Projektleiterin Franziska Nemmer vom Berufsförderungsinstitut Salzburg. Dessen Geschäftsführer Franz Fuchs-Weikl ging der Frage nach, wie Kompetenzen sichtbar und vor allem validiert werden können. Als gutes Beispiel nannte er Frankreich, das längst Konzepte für die Anerkennung von informellen Kompetenzen oder ausländischen Bildungsabschlüssen entwickelt habe, führte Fuchs-Weikl aus. Er wies auf die steigende Bedeutung von Kompetenzvalidierung hin. Die Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH, Dr. Birgit Seeholzer, nannte den Fachkräftemangel als eines der größten Risiken für Wohlstand und Beschäftigung im Chiemgau. “Unternehmen sind gut beraten, wenn sie sich rechtzeitig damit auseinandersetzen und Weichen stellen. Das Projekt ist ein guter Einstieg dafür.” 

“Zuhören und auf Menschen eingehen”

“Potenzialentdecker” setzt direkt bei den Mitarbeitenden eines Betriebes an. Manchmal, sagt Franziska Danner, die für den Chiemgau das Projekt leitet, seien Stellen ausgeschrieben, dabei schlummere die ideale Besetzung im eigenen Team. Das bestätigte Daniel Schaufler, Stadtamtsleiter der Pilotgemeinde Oberndorf: „Eine Mitarbeiterin verriet während des Prozesses, eine Schwäche für Trauungen zu haben, wovon vorher niemand wusste. Nach einer Fortbildung kann sie nun bei Bedarf im Standesamt einspringen“.

Damit solche oder ähnliche Erfolgsgeschichten auch im Chiemgau geschrieben werden, setzen sich Franziska Danner von der Chiemgau GmbH sowie Frank Hämmerlein von der IHK Akademie Rosenheim und Traunstein aktiv für das Projekt ein. Bewerben für die kostenlose Personalentwicklung können sich kleine und mittelständische Unternehmen aus dem Chiemgau. Die ideale Größe liegt nach Angaben von Kommunikationsexpertin Julia Hinterauer bei zwölf bis 20 Personen. Hinterauer begleitet das Projekt als Trainerin. Sie führt unter anderem zwei Einzelgespräche mit allen Teammitgliedern. „Zuhören und auf den Menschen eingehen“ hält sie dabei für eine der wichtigsten Eigenschaften. Mit Blick auf die Unternehmen ergänzt Franziska Danner: „Ein Betrieb muss offen sein für Veränderungen.“ Aus diesem Grund sollten sich Interessierte bald melden, um in einem Vorgespräch zu klären, ob ihre Organisation oder Abteilung geeignet ist. Am 26. Januar ab zwölf Uhr können dann die Bewerbungen online eingereicht werden. Alle Informationen stehen im Internet unter chiemgau-wirtschaft.de/potenzialentdecker.