Aufstieg der Ballonfahrer in Inzell
© Inzeller Touristik GmbH

Die leise Eroberung des Chiemgaus

Datum: 09.12.2019
Von: Gastautor

Mit einer Heißluftballonfahrt über den Chiemgau lässt du den Alltag hinter und den Boden weit unter dir. Probier es aus und steig mit unserer Autorin ein.

Wir sind zu fünft, und wir sind aufgeregt, wie wir so auf der großen Wiese in Inzell herumstehen. Neben uns weitere zappelige Passagiere und schließlich der Pilot, der uns freundlich in Empfang nimmt. Er strahlt Ruhe aus – das ist gut für unsere Nerven. Anstatt rumzustehen und vor Nervosität zu zerspringen, soll jeder mit anpacken und die Ballonhülle ausbreiten. Instrumente, Funkgerät und Brenner werden getestet und eingebaut. Ein überdimensionaler Ventilator bläst den Ballon in Windeseile mit viel Luft zu seiner ganzen bunten Pracht auf. Wir legen den Kopf in den Nacken und staunen.

Einsteigen zum Aufsteigen

Alle, die mitfahren wollen, dürfen jetzt einsteigen!“, ruft der Pilot endlich. Das ist gar nicht so einfach. Wir klettern über die Brüstung in den großen Korb. Kaum sind alle reingepurzelt, geht es auch schon los. Mit einem Meter pro Sekunde steigen wir in die Luft – das Gefühl erinnert an eine Fahrstuhlfahrt. „Wir fliegen“, ruft einer der Passagiere begeistert und steigt damit gleich ins Fettnäpfchen. Pilot Theo Mayerhöfer vom Ballonclub Truna korrigiert: „Ein Ballon fliegt nicht, er fährt.“ Vermutlich haben sich die ersten Ballonfahrer an das Vokabular der Seefahrt gehalten, daher das „fahren“. Es gilt: Objekte die leichter sind als Luft, wie beispielsweise Ballone, „fahren“. Solche die schwerer sind, wie etwa Flugzeuge, „fliegen“.

Hinweis: Theo Mayerhöfer ist nach 30 Jahren Ballonfahrt in den wohnverdienten Ruhestand gegangen. 

Luftaufnahme der Inzell Winter Ballonwoche
© Jonas Hoffmann

Ein Ballonfahrer-Traum

Die Wiesen, Wege und Fichtenwälder unter uns werden immer kleiner, unsere Entfernung zum Boden größer. Menschen werden zu Strichen in der Landschaft, Autos schrumpfen auf Ameisengröße. Die weitläufigen und wundervoll zugeschneiten Wiesen machen den Chiemgau perfekt für Ballonfahrer, denn die baumfreien Flächen brauchen sie für die Landung. Wir sind völlig gefangen von einem traumhaften Blick auf die winterliche Seenlandschaft und die Chiemgauer Alpen. Im Ballon herrscht absolute Stille. Weil wir mit dem Wind fliegen, ist es im Korb windstill. Der Brenner strahlt Wärme ab. Also, wer Angst hatte, er würde frieren, kann sich entspannen. Es ist behaglich warm.

Die Erde so fern, dem Himmel so nah

Fasziniert schauen wir in die Weite: Der Chiemsee ist nur mehr eine Hand breit. Dahinter die Schleifen der Alz, dem einzigen Abfluss des Chiemsees. Gen Nordwesten der Seeoner See, der Griessee und der Obinger See. Glitzerndes Blau im strahlenden Sonnenlicht umrahmt von den Alpen. Aus 2000 Metern beziehungsweise 6000 Fuß Höhe werden die kleinen Dinge des Alltags unbedeutend. Wir sind nur durch den großen bunten Ballon vom Himmel getrennt. Unterbrochen wird die Ruhe einzig vom Funkgerät und dem Brenner, der mit Propangas konstant die Luft erhitzt. Solange die Luft heiß ist, hat sie eine geringere Dichte als die kalte Luft und steigt auf. Ein unbeschreibliches Gefühl, Teil des Windes zu sein, der uns sanft weiterträgt. Einzig er bestimmt die Richtung. In der Regel strömt die kalte Luft am Morgen von den Bergen in Richtung Norden zum warmen Chiemsee. Beeinflussen kann man nur, in welcher Höhe man auf welchem Wind dahinschwebt.

Aufnahme der Ballonfahrer in der Luft am Ballontag 2019
© Inzeller Touristik GmbH

Sanfte Landung nach Höhenflügen

Einige Kilometer weiter, fünf bis dreißig Kilometer schafft man je nach Wind in gut zwei Stunden, sieht sich Pilot Theo Mayerhöfer nach einem geeigneten Landeplatz um. Landen darf man mit einem Ballon überall, rechtlich gesehen sogar auf einem Autobahnkreuz, wenn es nicht anders möglich ist. Die Wiesen des Chiemgaus sind aber weit genug für unseren Ballon. „Eine alte Ballonerweisheit: Gelandet wird immer am Beginn der Wiese, kürzer wird sie von ganz allein“, schmunzelt Pilot Theo. Ganz sanft setzt das gut 800 Kilogramm schwere Gefährt nahe Traunstein auf. Alle klatschen und krabbeln mit einem breiten Lächeln aus dem Korb.

Noch ist das Spektakel aber nicht vorüber. Sobald der Ballon sorgfältig zusammengelegt ist, kommt der offizielle Teil der Fahrt: Die Ballonfahrertaufe. Damit wird man in den „Ballon- Adelsstand“ gehoben. Zu Zeiten von König Ludwig XVI. von Frankreich durfte nämlich nur der Adel Ballonfahren. Statt blauem Blut gibt es für uns ein Gläschen Sekt und eine Urkunde. Es wird auf den Piloten angestoßen, der uns alle mit dem Ballonfieber angesteckt hat. Eines ist sicher: Der Ballon sieht uns wieder. Für alle, die es aber gar nicht bis zur nächsten Fahrt erwarten können, hat Inzell noch einige weitere Highlights zu bieten.

Inzeller Ballonwochen – Flammende Choreographien

Jedes Jahr pilgern Ballonbegeisterte in den Chiemgau. Ende Januar gibt es bei den Inzeller Ballonwochen zahlreiche Gelegenheiten, selbst in die Luft zu gehen. Ein Highlight: das Ballonglühen. Auf der Kreuzfeldwiese in Inzell steigen hunderte Ballons lautlos in der Dunkelheit in die Luft. Zusammen inszenieren sie mit den Flammen ihrer Brenner im Takt der Musik ein einzigartiges Feuerfestspiel. Als glühende Farbkleckse in der Luft leuchten die Ballone wie Lampions aus einem fernen Wunderland. Im Chiemgau hat man eben einen ganz besonderen Bezug zum Ballonfahren. 

Nächtlicher Start bei den Inzeller Ballonwochen
© Inzeller Tourismus GmbH
Achim und Carolin tragen das ganze Equipment nach der Landung zurück
© Chiemgau Tourismus e.V.

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Schlittenhunderennen: Der Musher von Inzell

Noch ein besonderer Verein aus Inzell.

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© Inzeller Tourstik GmbH

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Eine Fahrradgruppe ist im Frühling bei Seebruck am Chiemsee im Chiemgau unterwegs. Im Hintergrund sind die Chiemgauer Berge sichtbar
© Chiemgau Tourismus e.V.

Chiemgauer Erlebnisse

Auf zwei Rädern oder zu Fuß den Chiemgau entdecken, das erste Mal wieder im Biergarten sitzen, Sonnenstrahlen und Wärme genießen: Die Vorfreude auf das, was den Frühling ausmacht, ist riesengroß. 

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